Selbstoptimierung

Selbstoptimierung

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Wir leben in einer Zeit, in der gefühlt alle gesünder leben wollen. Die Winzer und Bierbrauer beschweren sich bereits darüber, dass zu wenig Alkohol getrunken wird. Die Fitnesscenter dagegen erfreuen sich an deutlich mehr Zuwachs als noch vor einigen Jahren. Raucher gehören inzwischen einer kleinen Minderheit an, weil Zigarette und Co. definitiv nicht mehr in den heutigen Lifestyle passen. Diese Lebensphilosophie bedeutet, gesund zu leben um gesund zu bleiben, aber auch, gut auszusehen. Schädliche Dinge aus dem Leben zu verbannen und stattdessen nur Dinge in sich aufzunehmen, die einem gut tun. Das bedeutet unter anderem, achtsam zu sein bei der Ernährung, Stress zu reduzieren und viel Bewegung im Alltag zu integrieren.

 

Das klingt erst einmal einwandfrei. Doch leider kann diese gesunde Lebensweise auch zu einem grossen Stressfaktor werden. Dies kann passieren, wenn der Druck bei dieser Selbstoptimierung Oberhand nimmt und wir uns deshalb gesellschaftliche Normen und Vorgaben aufzwingen. Wenn wir versuchen, so perfekt wie möglich zu sein, kann dies auch ins Ungesunde abdriften… Durch Smartwatches und Fitnessarmbänder werden unsere Lebenszeichen kontrolliert und ständig überprüft. Puls, Kalorienverbrauch, Anzahl Schritte und vieles mehr werden von uns überwacht und bewertet. Dadurch erhalten wir nicht nur die nötigen Informationen, sondern wir können uns auch ganz schön unter Druck setzen. So wird beispielsweise ein Spaziergang nicht mehr dazu genutzt, um abzuschalten oder die Natur zu geniessen, sondern um noch einige Schritte zu machen, um das Tagessoll zu erreichen oder um Kalorien zu verbrauchen. Aber nicht nur diese Beobachtung unserer selbst kann Druck erzeugen, auch der Blick auf alle anderen in unserer Umgebung und in den sozialen Medien lässt uns daneben schlechter aussehen, als wir es möchten: Wie viel Sport machen andere? Wie viel und wie schnell hat jemand abgenommen? Wer hat die perfekte Figur? Wer ist mit sich und der Welt in Einklang und völlig zufrieden? Bei so viel Perfektion bei den verschiedensten Menschen entsteht ein defizitärer Blick auf uns selbst und damit wird der Druck noch gesteigert.

 

Die heute bevorzugte Lebensweise vermittelt das Ideal eines  ganzheitlich gesunden Lebensstils. Dazu gehört ein schöner Körper und auch ein gesunder Geist. Dieses Ziel als Ansporn zu nehmen, um sich dahin zu bringen, wo „man“ sein sollte ist sicherlich sinnvoll und erstrebenswert. Aber nicht, wenn dabei so viel Druck entsteht, der dann wieder kontraproduktiv ist!

Wäre es nicht besser – und vor allem gesünder – wenn man sich grundsätzlich positiv betrachten würde? Nicht zu schauen, was bei einem selbst schöner, straffer und schlanker sein sollte, sondern zu bemerken, was bereits gut aussieht, was wir erreicht haben und was sich verbessert hat, seit wir weniger Zucker essen, mit dem Rauchen aufgehört oder begonnen haben, regelmässig laufen zu gehen.

 

Wir können uns weiterhin unter Druck setzen, uns selbst abwerten, weil wir nicht so aussehen, wie wir sollten – so, wie es uns  die Norm vorgibt. Oder wir können uns ganz im Gegenteil etwas Gutes tun, uns loben und uns wohlwollend betrachten. Wir können unsere Erfolge sehen und damit zufrieden sein. Dies kann uns dazu motivieren, weiterhin unsere Ziele zu verfolgen. Egal, wie diese aussehen. Wichtig ist auch hier, dass es unsere ganz persönlichen Ziele sind. Angepasst an unsere Bedürfnisse, an unser Tempo und nicht angepasst an alle anderen und an das Bild, welches wir gesellschaftlich übernommen haben.

 

Sich selbst weniger Druck aufzusetzen, sich selbst positiv zu sehen und motiviert an Zielen dranzubleiben, ist ebenfalls ein Weg zur Selbstoptimierung. Vielleicht sogar ein Weg, der wirksamer sein kann, weil nicht Druck und Stress die Antreiber sind, sondern Zufriedenheit und Wohlbefinden.

 

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