Gewinner und Verlierer

Gewinner und Verlierer

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Immer wieder gibt es vor allem sportliche Wettbewerbe, die zeigen, wie emotional wir mit anderen mitfiebern können, damit diese gewinnen. Ein Sieg eines Profisportlers oder einer Mannschaft ist dann scheinbar ein Sieg für die ganze Nation, für die diese Sportler stehen. Man fühlt, leidet und freut sich mit der Mannschaft, hinter der man steht, und kann so auch enorme Glücksgefühle, aber auch tiefe Trauer erleben.

 

Doch wie sieht Gewinnen und Verlieren im Alltag aus? Es ist dann nicht so klar definiert, was ein Sieg ausmacht und was nicht. Es geht im Leben meist nicht darum, die meisten Wettkämpfe zu gewinnen oder die meisten Punkte zu erzielen. Es gibt keine Vorgaben, wer wann gewonnen hat und wann nicht. Oder etwa doch?

Ich denke, die Kriterien werden von uns selbst festgelegt. Wir entscheiden, wann sich etwas wie ein Gewinn oder ein Verlust anfühlt. Wir entscheiden, wann wir verloren haben und wie weit wir gehen wollen, um dies zu verhindern. Wir entscheiden, wann wir gewinnen und wie weit wir dafür gehen wollen, um das zu erreichen….

Denn aus meiner Sicht, kann man auf ganz verschiedene Weise gewinnen. Natürlich durch einen klaren Sieg, wenn die Voraussetzungen für diesen bekannt sind – also wenn die meisten Punkte erreicht werden oder man als Erster oder Erste im Ziel ankommt.

 

Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass man nicht der oder die Erste bei etwas sein muss um zu gewinnen. Es kann sich ebenso als Gewinn anfühlen, wenn man jemandem den Vortritt lässt, wenn man auch mal einen Schritt zurück macht und andere gewinnen lässt. Wenn man sich nicht verausgaben muss um ganz vorne zu sein, sondern sich zurücklehnt und andere kämpfen lässt. Dies kann dann passieren, wenn man zufrieden ist mit dem was man hat. Wenn man etwas gut sein lässt und man nicht weiter darüber diskutiert oder auf weitere Vorwürfe oder Handlungen verzichtet wird. Es kann auch ein Gewinn sein, wenn man sich für andere freut, dass ihnen etwas gelungen oder etwas Gutes widerfahren ist.

Ihr erkennt sicherlich schnell, dass ich keine Sportlerin bin… denn dies ist eine Möglichkeit zu gewinnen, ohne sich zu verausgaben. Ganz im Gegenteil kann so ganz entspannt und scheinbar mühelos das Siegerpodest erreicht werden….

Doch ist das wirklich so einfach und leicht? Es ist eine Frage der Einstellung. Es gibt Leute, die wollen nicht nur gewinnen, sondern sie möchten auch, dass andere verlieren. Dies ist eine ganz andere Dimension. Denn wenn das so ist, fühlt sich ein Gewinn nur dann gut an, wenn andere verlieren, wenn sie schlechter dastehen oder wenn sie leiden.

Ein möglicher Sieg wird dann nicht nur von uns selbst beeinflusst. Er steht in direktem Zusammenhang mit anderen. So zu gewinnen ist deshalb viel schwieriger, da dies dem Einflussbereich der eigenen Person teilweise entschwindet. Man kann sich zwar selbst zum Sieg antreiben, aber andere Personen können nicht vollends beeinflusst werden. Sie können stärker werden und damit selbst als überragende Gewinner dastehen. Dies macht uns zu frustrierten Verlierern, da wir unser Ziel nicht erreichen – egal wie sehr wir uns anstrengen.

 

Mit solchen Aufgaben werden Profisportler und Profisportlerinnen konfrontiert. Denn manch ein Athlet muss damit rechnen, dass er oder sie nicht dauerhaft auf Platz eins der Rangliste bleiben kann, sondern immer wieder dafür arbeiten muss, um diesen Standard zu halten und ihn dann auch ab und zu an andere abzutreten. Neben der körperlichen, braucht dies auch enorme mentale Stärke.

Im Gegensatz zu uns müssen Leute im Profisport dies jedoch nicht ihr Leben lang tun. Denn wie es im Sport so ist, wird bereits in relativ frühem Alter die Grenze des Machbaren erreicht, und es wartet der wohlverdiente Ruhestand. Bei allen anderen sieht das ganz anders aus. Wir können nicht nach einer bestimmten Altersgrenze einfach damit aufhören. Wir müssen – oder können – ganz allein entscheiden, wie lange wir uns bei einem (solchen) Wettstreit messen wollen. Oder ob wir aussteigen und uns andere Kriterien suchen, um uns als Gewinner oder Gewinnerin zu fühlen…

 

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