Es ist, wie es ist

Es ist, wie es ist

Mit Konflikten, Ärger und Stress umzugehen wird meist sich selbst gegenüber erwartet. Jeder hat den Anspruch, sich nicht aufzuregen und sich nicht stressen zu lassen.

Die Hitzewoche von Ende Juni 2019 mit Temperaturen über 37 Grad Celsius hat auch mich arg an meine Grenzen gebracht. Dabei habe ich mir fest vorgenommen, mich dieses Jahr nicht über die Hitze aufzuregen. Schliesslich kann das Wetter nicht verändert werden, vielmehr müssen wir uns anpassen. Aber das ist einfacher gesagt als getan. Um diese Zeit wohlbehalten zu überstehen, habe ich verschiedenes ausprobiert: in die Berge flüchten, die Fenster in meiner Wohnung «verbarrikadieren», einen neuen Ventilator in Betrieb nehmen und mich mit Kaltgetränken sowie dem Verzehr von Glacé abkühlen. Leider ohne Erfolg. Nach den vielen erfolglosen Versuchen, verfolgte ich eine neue Strategie, indem ich versuchte, der mir verhassten Jahreszeit etwas Positives abzugewinnen. Doch auch dabei bin ich kläglich gescheitert! Am Ende der Hitzewelle war ich wieder mal an dem Punkt, an dem ich keinen anderen Ausweg mehr sah, als meinen Ärger und Frust bei jeder Gelegenheit kundzutun!

Die Menschen in meinem Umfeld haben dies meist geduldig über sich ergehen lassen. Und sie bauten mich auf mit Sätzen wie «Der Sommer ist doch etwas Schönes» oder «Es ist zwar heiss, aber das geht schnell vorüber». Die ganz extremen Sonnenanbeter betonten sogar, dass sie es je heisser umso lieber mögen. Solche Aussagen haben mich natürlich noch mehr in Rage gebracht. Um diese Leute nicht zu beleidigen, ersparte ich mir ausführliche Schilderungen über den Klimawandel aufgrund der massiven Umweltverschmutzung, die Gefahren von Waldbrand, das Leiden von Tieren sowie die erhöhten Sterberaten von alten und kranken Menschen als Folge der hohen Temperaturen – und dass es egoistisch ist, aus Freude an den vielen Sonnenstunden diese Folgeschäden des heissen Wetters einfach zu übersehen.

Es ist, wie es ist. Das war schlussendlich die Devise und ich musste mich damit abfinden. Mit meinem Frust stand ich alleine da. Alle anderen hatten entweder selbst mit dem heissen Wetter zu kämpfen, oder sie waren froh darüber und liessen sich diese Freude auch nicht von jemandem wie mir vermiesen.

Ich musste also damit klarkommen. Aber wie? Die Dinge positiv zu sehen, habe ich nicht geschafft. Es ist, wie es ist: den Sommer kann ich nicht leiden und mit grosser Hitze kann ich nicht gut umgehen. Obwohl ich keine positive Seite finden konnte, versuchte ich dennoch die negativen Seiten auszublenden. Sich über Dinge aufzuregen, die nicht verändert werden können, ist einfach nur Energieverschwendung! Ich habe damit begonnen, das Wetter wacker hinzunehmen ohne mich zu ärgern. Ihr findet diese Lösung unspektakulär? Stimmt, aber es hat mir geholfen. Die Tatsachen hinzunehmen wie sie sind – auch mein persönliches Befinden so stehen zu lassen, wie es ist – hat mich über diese Hitzewelle gebracht. Es ist nicht immer möglich und auch nicht immer notwendig, sein eigenes Verhalten zu verändern, um wieder konform zu sein. Es ist manchmal einfach die Lösung, Dinge zu akzeptieren, wie sie sind. Sich darüber bewusst zu sein, wie man tickt, und dies zu akzeptieren. Es ist, wie es ist. Ich finde es zwar nicht gut, aber ich nehme das so an. Mir hat das auf jeden Fall geholfen. Und schliesslich hatte die Hitzewelle dann auch ein Ende und es wurde wieder kühler. Dies mussten dann all die Leute hinnehmen, die gerne weiterhin 37 Grad Celsius gehabt hätten…

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