Angst vor der Angst

Angst vor der Angst

Wenn Angst unser Leben bestimmt, sind wir nicht mehr in der Lage, uns selbstbestimmt zu bewegen. Angst tritt in verschiedenen Facetten auf: Sie kann schleichend auf uns zukommen und uns dann hinterrücks überfallen. Oder sie ist ein ständiger Begleiter und meldet sich immer wieder in scheinbar brenzligen Situationen. Bei einer Angststörung ist sie sogar dauerhaft im Vordergrund und keine Sekunde vergeht, ohne dieses unsichere Gefühl zu durchleben.

Angst ist ein natürlicher Mechanismus des Menschen, um auf eine bedrohliche Situation zu reagieren. Doch nicht selten ist Angst unbegründet. In solchen Fällen lassen wir uns dennoch von ihr vereinnahmen. Angst muss also auch immer relativiert werden. Um darauf zu reagieren, sollte zunächst erkannt werden, was genau dieses Gefühl auslöst. Grund für Angst ist oft eine Unsicherheit durch fehlende Information.

Der Klassiker: In einer dunklen Tiefgarage erspürt man plötzlich ein unbehagliches Gefühl und schaut verstohlen in alle Richtungen, um zu sehen, ob da etwas ist. Es fühlt sich immer mehr so an, als würde man von jemandem verfolgt oder beobachtet werden. Die eigenen Bewegungen werden schneller und hastiger, der Puls steigt an. Sobald man im sicheren Auto sitzt, geht es ein wenig besser – die Atmung normalisiert sich wieder. Sobald das Fahrzeug in Bewegung ist und aus der Tiefgarage fährt, ist wieder alles in Ordnung. Kurzes Durchschnaufen und ein erleichtertes «Phu! Zum Glück ist es vorbei!» geht einem durch den Kopf…

Doch was ist genau vorbei? Unsere Phantasie hat uns die wildesten Stories vorgegaukelt. Richtig schlimme Verbrechen, von denen wir in den Nachrichten gehört oder die wir in Filmen gesehen haben, werden bunt gemischt und als neue Geschichte in unsere Realität katapultiert. Unsere Gedanken haben unser Handeln bestimmt. Wir konnten nicht mehr klar erkennen, was Realität ist und glaubten ganz einfach unserem Gefühl. Dieses täuscht uns ja nie, nicht wahr? Dem ist leider nicht so. In diesem Fall ist Angst – wie meistens, wenn es um Angst geht – eine Verkettung von verschiedenen Faktoren, die wir meist nicht richtig kennen. Wie gesagt, fehlt uns Information. Wir wissen nicht, ob etwas in der Dunkelheit versteckt ist, weil wir es nicht sehen können. Dadurch werden wir verunsichert und haben Angst.

Dies geschieht nicht nur in der dunklen Tiefgarage, sondern aktuell auch bei der Angst vor einem ansteckenden Virus. Wir lassen es zu, dass die Angst vor «Corona» uns dazu veranlasst, nicht mehr nach Draussen zu gehen. Oder wir trauen keinem mehr der hustet – obwohl dies zur Grippezeit ganz normal ist. Wir tätigen «Hamsterkäufe», weil wir befürchten, dass wir unter Quarantäne sonst verhungern müssten. Aber was macht uns so viel Angst vor diesem neuartigen Virus? Es ist wieder die fehlende Information. Auch wenn wir enorm viel darüber über die Medien erfahren haben, fehlen uns doch Informationen. Wie sieht ein Corona-Infizierter aus? Welche Anzeichen lassen uns erkennen, dass er oder sie bereits angesteckt ist? Wie ist der Krankheitsverlauf bei mir persönlich? Wir wissen, was mit uns während einer Grippe passiert, aber wie geht es uns wenn wir an Corona erkranken? Aufgrund fehlender Informationen denken wir, dass wir uns mit Nahrungsmitteln eindecken müssen und wir wochenlang zu Hause ausharren müssen. Wir sind auch hier wieder Opfer unserer eigenen Phantasie. Wieder ist zu erkennen, dass wir – weil wir es nicht wissen – uns unsere eigene Vorstellung machen. Diese Vorstellung macht uns Angst. Wir machen uns Angst!

Um in solchen Situationen weiterhin selbstbestimmt zu handeln, holt euch mehr Fakten. So werdet ihr sehen, dass in der Garage meist kein potentieller Verbrecher in der Ecke lauert. Und dass bei einer Pandemie klare Regeln helfen, um nicht in Angst und Panik zu geraten.

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