Salü! Güät?

Salü! Güät?

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Gesellschaftliche Normen und Werte sind uns allen bekannt und wir versuchen uns stets daran zu halten. Dies bringt viele Verhaltensweisen mit sich, die nicht immer der jeweiligen Stimmung und der eigenen Logik entsprechen – aber es wird erwartet und somit wird’s gemacht!

Wie oft habt ihr euch schon dabei erwischt, dass ihr etwas getan habt um Erwartungen zu entsprechen, obwohl ihr dies eigentlich gar nicht wollt? Wie oft habt ihr euch darüber geärgert, dass ihr jemanden gefragt habt „wie geht’s?“ ihr aber keine Ahnung mehr habt, was er geantwortet hat? Diese Floskel ist eine der eindeutigsten Beweise dafür, dass alles was nicht echt ist, einfach nicht gemacht werden sollte. Meist kommt auf die oben gestellte Antwort ein „gut, und dir?“ und schon wieder merkt man, dass auch die Frage des Gegenübers nicht ernst gemeint ist. Innerlich rumort es dann. Wir setzen aber dennoch ein Lächeln auf, lenken ab. Doch eine solche Begegnung kann noch lange nachhallen.

Ich habe mir bei diesen und ähnlichen Situationen schon oft gedacht, ob das den wirklich sein muss? Es ist mir natürlich bewusst, dass diese Frage nicht zu jedem Zeitpunkt und nicht von jedem gerne offen beantwortet werden möchte. Es ist mir ausserdem bewusst, würde diese Frage in dem Moment ehrlich beantwortet, würde aus einer flüchtigen Begegnung oftmals ein längeres Gespräch entstehen. Dazu sind wohl die wenigsten bereit, die gerade auf den Zug müssen oder die vom Feierabend nach Hause laufen. Somit hat dies schon seine Berechtigung – und so ist wohl trotzdem jeder damit zufrieden.

Gäbe es aber dennoch eine Möglichkeit, in solchen Situationen etwas weniger aufgesetzt zu sein? Mir ist bisher nichts Geeignetes eingefallen. Wer eine gute Möglichkeit kennt, sollte dies doch bitte an mich weiterleiten. So könnte ich meiner Devise im Alltag etwas mehr gerecht werden, welche heisst: „Wenn ich es nicht ehrlich meine, kann ich es auch gleich sein lassen!“. An diesem Ideal arbeite ich jeden Tag. Dies bedeutet nicht nur, dass ich selbst versuche alles ehrlich zu meinen was ich sage. Sondern ich versuche zu erspüren, ob die Leute mit denen ich es zu tun habe auch echt sind? Dies bedeutet darauf zu achten, ob sie vielleicht auch mal wirklich gefragt werden müssten, wie es ihnen geht? Dies würde im Hinblick darauf auch bedeuten, sich Zeit zu nehmen, die Geschichte über die Antwort dieser Frage hinaus anzuhören und bereit zu sein, deren echten Emotionen und Interessen wahrzunehmen.

Wer weiss, vielleicht kann man mit dieser Einstellung im täglichen Leben, vermehrt von echten Gefühlen und Verhaltensweisen überrascht werden? Dies wäre ein erstrebenswerter Zustand für mich persönlich wie auch für alle die mir begegnen.

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